Lebenswelt Facebook

Der erste Teil meiner Reihe “Eine Soziologie von Facebook”  schweift kurz kommunikationstheoretische Grundlagen um diese an einer typischen Facebook Praxis zu überprüfen.

Das klassische Sender - Empfänger - Modell will ich hier nicht wiederkäuen,  sondern gleich darauf hinweisen, dass jede Mitteilung an einen Empfänger gerichtet ist und somit die Kommunikation von hinten her verstanden werden muss. Auf Marketing Sprech kann man auch sagen, dass jede Kommunikation an eine bestimmte Zielgruppe ausgerichtet ist. Der Empfänger bestimmt, was der Sender mitteilt.

Was passiert nun auf Facebook, wenn man Statusmeldungen und andere Empfehlungen für 200 Freunde, Kollegen, Geschäftspartner, etc. formuliert? So viel ich weiß, kann man seine Statusmeldung nicht an bestimmte “Zielgruppen” schicken. Man kann sehr wohl Leute ausschließen, aber noch nicht differenziert kommunizieren.

Genau dieser Umstand ist der Punkt, warum sich viele Essayisten über die Kakophonie auf Facebook beschweren. Es geht weniger um die Summe der Äußerungen, sondern um Belanglosigkeit oder erzwungenes Entertainment. Belanglosigkeit wird aber knallhart bestraft, indem eben nichts passiert. Keine Kommentare, keine “like it” Klicks, einfach nur Liebesentzug.

Es gibt also eine Facebookpraxis die erlernt werden muss. Mit Trial and Error versucht man seiner Zielgruppe so gut es geht gerecht zu werden. Allen kann man es nie Recht machen, aber vor diesem Problem steht jedes Massenmedium. Ich würde Facebook nach Habermas - ich gebe zu  etwas konstruiert -  Lebenswelt-Medium nennen.

Damit der Artikel nicht zu lang wird möchte ich mit einem Gedanken schließen und beim nächsten Mal hier fortführen: Kollegen mit denen man meist nur systemische Kommunikation z.B. aus Wirtschaft pflegt, sind auf Facebook plötzlich der Empfänger von Nachrichten aus der Lebenswelt. Was passiert nun…

[Post to Twitter] 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Habermas, Social Media und getagged , , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

5 Kommentare

  1. Erstellt am 8. November 2009 um 14:17 | Permanent-Link

    Lieber Gerhard,
    gute Analyse des Lebensmediums :-)
    Das Problem mit den differenzierten Zielgruppen ist tatsächlich eines - WENN man Facebook auch differenziert verwenden möchte. Also so wie in unserem Falle - beruflich und privat z.B. oder noch weiter - wenn man auch beruflich verschiedene Hüte auf hat. In meinem Falle “Neue Medien”, “Nachhaltikgeit” und “Entrepreneurship”.

    Meine aktuelle Tatik - da technisch nicht mehr geht - ist: Primäre, wichtigste Zielgruppe festlegen und auch primär für diese agieren. Natürlich verliert man dadurch auch Aufmerksamkeit der anderen. Immerhin geht es ja auch um “Claiming” von Themen, jene tägliche Arbeit, die das Fremdbild der Menschen über uns in ihren Köpfen formt.

    Eine andere Frage: Was ist in unser realen Welt eigentlich los, dass wir ohne FB “likes” schon Liebesentzug haben? Oder andere Frage: Wie oft umarmen wir freunde in real - ohne einen “hug” via Applikation zu verschicken?

  2. Erstellt am 8. November 2009 um 15:18 | Permanent-Link

    Was ist in unser realen Welt eigentlich los, dass wir ohne FB “likes” schon Liebesentzug haben?

    Aus soziologischer Perpektive versuche ich halt die moralische Frage auszublenden und zu eher zu hinterfragen, wie es dazu kommt, dass wir “hug” und “like” lieber benutzen als face to face selbst zu tun?

    Wahrscheinlich, weil es so viel einfacher ist. Aber wenn man das dann doch moralisch weiterdenkt, dann kommt man zu dem Schluß, dass Facebook auch eine positive Auswirkung auf das Zusammensein haben wird. Genau so wie du es beschrieben hast.

  3. Erstellt am 8. November 2009 um 21:47 | Permanent-Link

    Herzlichen Dank fuer die Ausfuehrungen und SichtWEISEN. Ein Tipp dazu … doch man.n/frau kann sowohl Sendung auf Empfaenger ausrichten, als auch Sendergruppen durch Nutzung der Freundeslisten definieren. Dadurch ist es sozusagen Moeglich in unterschiedliche Streams nach Region/Themen reinzuzoomen. Ausblenden ist dadurch unnoetig. Die Krux beim gezielten Senden ist die Tatsach, dass die Postinggrundeinstellung Sichtbarkeit fuer ALLE erfordert. Viel Spass beim Nacharbeiten der Freundeslisten … MiSha … der fINDER

  4. Erstellt am 9. November 2009 um 00:39 | Permanent-Link

    @Michael
    Aber man kann ja nicht spezifische Statusmeldungen für die unterschiedlichen Listen abgeben. Also kann man differenziert empfangen aber nicht senden.

  5. Erstellt am 10. November 2009 um 17:28 | Permanent-Link

    @Gerhard … Doch kann man … http://tr.im/EFXL … “Kontrollmechanismus deines Herausgebers” heißt die Funktion. Happy ‘tagging’ bzw. Freundeslistenerzeugung ;) … LG miSha

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

*
*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>