Authentizität auf Facebook?

Im zweiten Teil meiner Reihe “Eine Soziologie von Facebook” werde ich der Frage nachgehen, ob man auf Facebook authentisch kommuniziert. Außerdem beantworte ich noch das abschließende Statement des letzten Beitrags.

Wie ist nun Kommunikation mit Kollegen als auch besten Kindheitfreunden gleichzeitig möglich? Entweder ich reduziere mich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner oder ich versuche eben so zu sein wie ich bin. Oder gibt es gar eine dritte Möglichkeit?

Statements abzugeben, die allen gerecht werden, ist wohl unmöglich und selbst der Versuch ist sehr anstrengend oder endet ganz einfach in Stile. Dagegen klingt es ja wunderbar reizend, wenn man sich endlich mal so zeigen könnte, wie man wirklich ist. Leider geht das aber nicht. Es gibt keinen Zustand völliger Authentizität. Die Unmöglichkeit nicht perspektivisch zu sprechen hebelt auch Facebook nicht aus.

Entwickelt sich vielleicht doch eine neue Kommunikationsform auf Facebook? Ein neues Schauspiel (nach Goffman), das alle Parteien anerkennen und somit Legitimität erhält. Kommunikation ist erfolgreich, wenn sie anschlussfähig ist. Facebook ist hochgradig anschlussfähig, weil man fast immer jemanden findet, der antwortet. Und wenn nicht geantwortet wird, ist es auch ein klares Signal und eben die Kommunikation, dass die Mitteilung nicht anschlussfähig war.

Ein neues Schauspiel auf Facebook, das Authentizität simuliert?

Ich habe jetzt doch mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Aber mal sehen, wie es beim nächsten Mal weitergeht. Ich würde mich wirklich freuen, wenn mal jemand KOMMENTIEREN würde. :-)

[Post to Twitter] 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Social Media und getagged , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

9 Kommentare

  1. marek
    Erstellt am 7. November 2009 um 01:29 | Permanent-Link

    das ist wohl die ultimative Kunst - jemanden dazu bringen, dass er freiwillig die Lust verspürt zu kommentieren :) … der Grat ist schmal und ich bin dem noch nicht auf die Wurzel gekommen, wieso es HuffingtonPost.com oder SME.sk schaffen auf tausende Comments pro Artikel zu kommen, die FAZ oder NZZ.ch auf 0 bis ein Paar. Ich denke es gibt sogar eine Korrelation - je mehr wissenschaftlich der Beitrag, desto weniger Diskussion - wäre ja ein gutes Zeichen für dich im Endeffekt :) Belesene Leute haben ja wenig Zeit ..kannst ja in deiner nächsten Reihe untersuchen :)
    .
    Aber nicht deshalb wollte ich kommentieren. Zurück zum Thema FB.
    Genau das Problem habe ich auf FB. Deshalb erlaube ich keine Arbeitskollegen und fast keine Family. FB ist für Friends. Alternativ könnnte man doch mehrere FB Identities für die verschiedenen Bekanntenkreise haben. Erhöhter ‘Betreuungsaufwand’ natürlich…aber wenn man schon mit allen in touch sein will..bitte. FB sollte endlich mit Bekannten-Clusterierung kommen, dann stellst du klickst du bei jeder Meldung an, welche deiner Gruppen die sehen wollen. Muss denen echt mal schreiben :)

  2. Horst und Babsi
    Erstellt am 7. November 2009 um 12:05 | Permanent-Link

    entschuldige, aber bitte nimm das wort “soziologie” aus diesem posting und am besten deinem ganzen blog.

  3. Erstellt am 7. November 2009 um 14:00 | Permanent-Link

    @Horst und Babsi: Magst du vielleicht deine Aussage auch begründen? Ich gebe ja zu, dass das hier sicher nur nette Spielereien sind und mit “echer” Soziologie wenig zu tun haben.
    Da ich aber Soziologe bin - ok, nicht mehr per Profession, aber studiert - wage ich doch behaupten zu können, so einige theoretische Überlegungen anstellen zu dürfen.
    Falls du konstruktive Kritik an systemtheoretischen Ansätzen vorzubringen hast, bitte gerne…

  4. Erstellt am 7. November 2009 um 14:02 | Permanent-Link

    @Marek: Ich glaube halt, dass genau das der Schmäh an Facebook ist. Wenn ich jetzt zehn Channels pflegen müsste, würde vieles verloren gehen. Z.B. auch die Möglichkeit einfach mal eine Frage an die Runde zu stellen.

  5. marek
    Erstellt am 7. November 2009 um 21:50 | Permanent-Link

    also…ich kann nur feststellen, dass ich meine Kommunikation auf FB wegen dem breiten Bekanntenkreis eigentlich schon auf den ‘kleinsten gem. Nenner’ reduziere. Eine Möglichkeit verschiedene Gruppen zu bilden würde mir persönlich Abhilfe schaffen. Mann könnte ja weiterhin ’sichtbar für alle’ anklicken können.

  6. Erstellt am 8. November 2009 um 14:31 | Permanent-Link

    also vorweg: Horst und Babsi kann man ausblenden. Ich selbst schalte ja auf meinem Blog nur jene kritische Beiträge, wo jene Kritiker auch zu ihrer Identität stehen. Ich mochte “alias” User noch nie, ebenso wie Feigheit.

    Zu Deinem Artikel - einige ähnliche Gedanken hatte ich schon bei Deinem ersten Beitrag ( http://profilneurosen.com/habermas/lebenswelt-facebook/ ) niedergeschrieben.

    Multi-Identitäten auf FB werden kommen. Bzw. eine Erweiterung der Gruppensteuerung. Neben den “Hüten” würde ich auch noch die Notwendigkeit von einer Trennung zw. “inländischem, deutschsprachigen” und “globalen, englischen” Profil sehen. Das Problem ist vor allem auf Xing drängend. Hier sieht man ja auch bewusste Entscheidungen entweder global oder national anschlussfähig sein zu wollen - je nachdem welcher Sprache man sich bedient.

    Eine zentrale Herausforderung für fortgeschrittene FB User ist für mich die Differenzierung der “Aufmerksamkeits-Sucht” in dem Sinne, dass man neu bewerten muss, wer einem wichtig ist. Derzeit zählt jedes “Like” - obgleich man den Menschen nicht kennt und er wohl keine wesentliche Rolle im beruflichen oder privaten Leben spielt. Es wird sogar so absurd, dass völlig Fremde öfters kommentieren und loben, als die besten Freunde und Geschäftspartner. Und es ist uns egal.

    So oder so, es ist derzeit alles eine Frage einer der technischen Entwicklung nach-hinkenden Mediennutzungskompetenz.

  7. Erstellt am 8. November 2009 um 21:20 | Permanent-Link

    als ethnologe habe ich so meine bedenken, was den begriff “authentizität” anbelangt. ich habe heute eine aufnahme von pygmäen-gesang gehört. kracht und grammelt und ist somit authentisch. oder doch nicht? da war doch ein ethnologe dabei, der das mikro hingehalten hat und die frauen haben ihren gesang für den weißen mann inszeniert. was hat das mit facebook zu tun? genauso viel wie ein gespräch zwischen zwei menschen an der bar bei dem andere mithören. vielleicht der chef, vielleicht kollegen, vielleicht mitarbeiter eines mitbewerbers. authentizität ist ein mythos. der kontext bestimmt art und tonalität der kommunikation. die pygmäen glauben, dass ihnen mit der aufzeichnung ein stück ihrer seele geraubt wird. wer via facebook kommuniziert, weiß hoffentlich auch dass seine “authentische” kommunikation ab nun verspeichert ist und auch in anderen kontext als dem ursprünglich gedachten gelesen werden kann.

  8. Erstellt am 9. November 2009 um 00:37 | Permanent-Link

    @Werquer
    Du sprichst mir aus der Seele. Authentizität ist eine Illusion! Genau das meine ich mit meinem Schauspiel der Authentizität auf Facebook. Man gaukelt sozusagen seinen vielen unterschiedlichen Freunden die authentische Kommunikation vor.
    Als Ethnologe bist du ja dauernd mit dem Problem konfrontiert, dass du durch deine Beobachtung im Feld die Situation veränderst.
    Das passiert dann wohl auf Facebook auch, weil man gleichzeitig von so vielen unterschiedlichen Leuten beobachtet wird.

  9. marek
    Erstellt am 12. November 2009 um 20:53 | Permanent-Link

    @ Hannes, thx bzgl. des Updates bzgl. FB :) Hab wieder was Neues erfahren. Ich stimme zu, die Plattform wird sich eigentlich den User-Bedürfnissen anpassen müssen. An sich müsste man viele Antworten auf die Thesen von Gerhard in den verschiedenen FB-Developer-Foren (und FB Input-Foren) finden..

Ein Trackback

  1. Von pligg.com am 7. November 2009 um 00:46

    Authentizität auf Facebook? | PROFILNEUROSEN…

    Die Reihe “Eine Soziologie von Facebook” behandelt im zweiten Teil die Frage, ob ein neues Schauspiel auf Facebook beginnt….

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

*
*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>